Donnerstag, 23. Oktober 2014

Beachtliche Neuschneemengen samt Sturm führen kurzfristig in den neuschneereichen Regionen sogar zu einer ernst zu nehmenden Lawinensituation. Relativ rasche Entspannung in Sicht.

Grafiken und Karten sagen mehr als viele Worte. In weiten Teilen Tirols mit Ausnahme des südlichen Osttirols hat es massiv geschneit und gestürmt.
 
Man erkennt sehr gut den Temperatursturz, den Neuschneezuwachs und den stürmischen Wind mit Eintreffen der Kaltfront.
 
 
Wir verweisen für weitere Details auf unsere erste aktuelle Information zur Lawinensituation.
 
 

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Winter 2014-2015 - ein erstes Lebenszeichen. Kurzfristig auf Triebschnee und Gleitschneelawinen achten.

Ein massiver Kaltlufteinbruch führt in Tirol oberhalb etwa 1000m kurzfristig zu winterlichen Verhältnissen.
 
Sturm, Schnee und Kälte bilden auch die Voraussetzungen für mögliche Lawinenprobleme, vermehrt ab den heutigen Abendstunden. Einerseits handelt es sich um frischen Triebschnee, andererseits um Gleitschneelawinen.
 
Auf Triebschnee sollte man speziell oberhalb der Waldgrenze im sehr steilen, zumeist kammnahen Gelände sowie allgemein hinter Geländekanten achten. Mit zunehmender Seehöhe nehmen sowohl dessen Störanfälligkeit als auch Verbreitung zu. Vorteil: Bei entsprechender Sicht lassen sich diese Gefahrenstellen gut erkennen. Die erwähnte Wetterbesserung am Wochenende führt zudem zu einer raschen Stabilisierung.
 
In den neuschneereichen Regionen, vermehrt im Norden des Landes, wird man zudem vermehrt Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen beobachten können. Diese Gefahr sollte v.a. auch bei Wanderungen am Wochenende beachtet werden. Gleitschneelawinen kündigen sich fast immer durch Risse in der Schneedecke an. Somit weiß man meist, wo das Problem vorherrscht, der Abgangszeitpunkt ist jedoch nicht vorherzusagen. Wir raten deshalb, Bereiche unterhalb von Gleitschneerissen möglichst zu meiden.
 
Anbei noch die aktuellen „Zutaten“ für die ersten Lawinenprobleme vom 22.10.2014 04:00 Uhr: Neuschnee, Wind und kalte Temperaturen.
 
 
Der nächste „Schwung“ an Schnee folgt ab heute Nachmittag.
 
 
 
Weitere Details zur aktuellen Entwicklung folgen am Freitag, dem 24.10. Nachmittag.
 

Freitag, 16. Mai 2014

Nach den Eisheiligen erhöhte Gefahr von Lockerschneelawinen, hochalpin kurzfristig auf frischen Triebschnee achten!

Seit Anfang Mai dominierte eine wechselhafte und v.a. Anfang des Monats eine mitunter auch noch recht lawinenaktive Zeit. In weiten Teilen Tirols konnten in höheren Lagen, vermehrt im schattigen, sehr steilen Gelände zum Teil beachtliche Schneebrettlawinen beobachtet werden. Nicht selten wurden diese durch den Impuls von nassen Lockerschneelawinen ausgelöst.
 
Schneebrettlawine in den Kalkkögeln (Foto: 04.05.2014)
 
Großes Schneebrett am Ende des Finstertaler Stausees in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 10.05.2014)
 
Ähnliches Bild unterhalb des Schöllekogels (Nördliche Stubaier Alpen) Foto: 05.05.2014
 
Lawinentätigkeit im Neunerkar in den Westlichen Nordalpen (Foto: 05.05.2014)
 
Inzwischen haben uns die Eisheiligen in der Höhe einiges an Neuschnee beschert. Berücksichtigt man die Setzung der Schneedecke, waren es seit Anfang der Woche zum Teil bis zu 75cm.
 
 
Dazu kam in der Höhe starker, zum Teil auch stürmischer Wind. Somit muss kurzfristig in hochalpinen Regionen (oberhalb etwa 3000m) in kammnahen, sehr steilen Hängen auch auf störanfälligen, frischen Triebschnee achten.
 
Mit der nun angekündigten langsamen Wetterbesserung samt steigenden Temperaturen wird man zudem vermehrt Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände beobachten können.
 
In großen Höhen sollte v.a. bei massiver Erwärmung und fortschreitender Durchnässung der Schneedecke bis in Bodennähe, vermehrt im Nordsektor auf die Gefahr möglicher, weiterer Schneebrettlawinen (ähnlich wie in oberen Bildern) geachtet werden.
 

Donnerstag, 1. Mai 2014

Vorsicht! Erhöhte Lawinenaktivität in hohen und hochalpinen Lagen!

Während der vergangenen drei Tage konnten in Tirol wieder vermehrt spontane Lawinen beobachtet werden. Meist waren es unmittelbar nach den Schneefällen nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände, teilweise aber auch mittelgroße, vereinzelt auch große Schneebrettlawinen, v.a. im Sektor W über N bis O oberhalb etwa 2500m.
Als Auslöseursache spielten und spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle:
Das Wetter ist weiterhin sehr wechselhaft mit meist hoher Luftfeuchtigkeit, mitunter hohen Temperaturen und intensiver (häufig auch diffuser) Strahlung. Dies führt auch in größeren Höhen zu einer fortschreitenden und teilweise erstmaligen Durchfeuchtung der Schneedecke in bodennahen, kantigen Schichten. Wie schon in früheren Blogs beschrieben, ist die Schneedecke dann leichter zu stören, als bei bereits oftmaliger Durchnässung der Schneedecke bis zum Boden (wie es heuer in tiefen und mittleren Lagen bereits der Fall war).
Wichtig erscheint aber auch, dass es während der vergangenen Schneefälle immer wieder gegraupelt hat. Dies konnten wir am Montag im Pitztal beobachten. Ein Ötztaler Bergführer bestätigte dies heute am 01.05. bei einer Tour am Ötztaler Hauptkamm. Der Graupel dürfte teilweise massiver abgelagert worden sein und somit eine nicht zu unterschätzende Schwachschicht gebildet haben, die sowohl durch Strahlungseinfluss als auch durch Zusatzbelastung gestört werden kann. Solche relativ kleine Lawinen können in Folge dann zur Auslösung großer Schneebrettlawinen führen, wie es auch durch Lockerschneelawinen möglich ist und auch während der vergangenen Tage mehrfach beobachtet wurde.
Diese Situation erinnert an Anfang Mai 2009, als bei sehr ähnlichen Bedingungen 6 tschechische Bergsteiger unterhalb des Schalfkogels Opfer einer Lawine wurden.
Somit unser Appell: Gerade in hohen und hochalpinen Lagen heißt es derzeit bei der Befahrung von sehr steilem Gelände zurückhaltend zu sein. Zudem sollte man die Wetterentwicklung besonders aufmerksam verfolgen, weil diese ja einen sehr unmittelbaren Einfluss auf die Lawinengefahr gerade jetzt im Frühjahr ausübt.

Freitag, 25. April 2014

Kurze Winterbilanz samt Infos zur aktuellen Situation.

Der Winter 2013-2014 wird uns wohl zweigeteilt in Erinnerung bleiben. Im Norden viel zu wenig, im Süden viel zu viel Schnee.
 
Stark unterdurchschnittliche Schneehöhen samt neuen Minima im Norden des Landes
 
Stark überdurchschnittliche Schneehöhen samt neuen Maxima im Süden des Landes. Interessant ist die doch rasche Ausaperung in tiefen und mittleren Höhenlagen.
 
Der Winter war der zweitwärmste seit Messbeginn, was sich in Summe auch positiv auf den Schneedeckenaufbau und somit auf das Unfallgeschehen ausgewirkt hatte.
 
Die Zahl der tödlich Verunglückten war mit 7 Personen unterdurchschnittlich (der langjährige Durchschnitt liegt bei ca. 12 Personen). Besonders unfallreich war der 31.01.2014 mit 3 Todesopfern. [Bei einer dieser Lawinen handelte es sich um ein Schnee-Wassergemisch, welches durch den Aufstau eines kleinen Baches bei Thurn (Lienz) quasi wie eine Mure abging und eine in einem Bachbett befindliche Person erfasste und tötete.)
 
Lawinenereignisse mit Personenbeteiligung während des Winters 2013-2014 in Tirol
 
Mehr als die Hälfte der bekannt gewordenen Lawinenereignisse passierten bei Gefahrenstufe 3.
 
 
Bei der Verteilung der Gefahrenstufe fällt eine nur kurze Phase mit allgemein großer Gefahr (Stufe 4) und relativ häufige Phasen mit allgemein geringer Gefahr (Stufe 1) auf.
 
 
Gegen Winterende dominierte - wie es für das Frühjahr recht typisch ist – mäßige Gefahr (Stufe 2) mit einem tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr.
 
Noch kann man in vielen Teilen Tirols auf Skitour gehen.
 
Sulzschnee (Firn) findet man nach klaren Nächten sowohl noch in Nordtirol,… (Foto: 24.04.2014)
 
…als auch im südlichen Osttirol (Foto: 25.04.2014)
 
Die Schneequalität hängt also massiv von der nächtlichen Ausstrahlung ab. Es gilt, kurzfristig zu planen. Eine grobe Richtlinien für das Frühjahr: je klarer und trockener die Nacht und je höher und früher man unterwegs ist, desto günstiger sind die Verhältnisse und umgekehrt. Allerdings hat sich bis zumindest in mittlere Höhenlagen, dort wo Schnee liegt, eine doch bereits gut gesetzte und nicht mehr störanfällige Schneedecke entwickelt. Dies ändert sich nur mehr nach Schneefällen, wenn der Neuschnee feucht und dadurch störanfällig wird.
 
Eine vernünftige Alternative stellen derzeit auch Touren in den bereits eingestellten Skigebieten dar, wo mitunter noch recht gut präparierte Pisten ein passables Skivergnügen garantieren.
 
Pistentouren: Auch im Frühjahr nach Betriebsschluss beliebt… Axamer Lizum (Nördliche Stubaier Alpen) (Foto vom 22.04.2014)

Immer wieder zu beobachten während der vergangenen Tage war Graupel, der während schauerartiger Niederschläge gefallen ist. Durch die diffuse Strahlung samt den warmen Temperaturen hat sich, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen gebildet.
 
Graupel am 22.04.2014 in weiten Teilen Tirols
 
Es steht fest. Das Frühjahr ist nirgends mehr aufzuhalten. Blumen und Tierwelt erwachen auch im Hochgebirge…
 
Krokusse im Senderstal (Foto: 24.03.2014)
 
Ein Murmeltier nahe des Schussgrubenkogels (Stubaier Alpen) am 24.04.2014)
 
Wir melden uns hier wieder bei gravierenden Änderungen der Situation. Vorerst bedanken wir uns bei all jenen, die uns während der vergangenen Wintersaison mit wertvollen Rückmeldungen versorgt haben und wünschen noch schöne und v.a. sichere Frühjahrstouren!