Freitag, 27. Februar 2015

Weiterhin meist noch recht günstige Verhältnisse bei zumindest schattseitig gutem Pulverschnee – Aufpassen sollte man auf frische und kürzlich gebildete Triebschneepakete, vermehrt in größeren Höhen in Kammnähe

Zurzeit (am 27.02.) überwiegen nicht die Gefahrenstellen, sondern guter Pulverschnee zum Skifahren, dies vermehrt schattseitig.
 
Tolle Pulverschneeabfahrt vom Tajatörl Richtung Drachensee in den Westlichen Nordalpen (Foto: 26.02.2015)
 
Meldungen über Lawinenabgänge sind rar und betreffen derzeit v.a. kammnahes, sehr steiles Gelände vermehrt in größeren Höhen, wo man frische Triebschneepakete stören kann. Aufgrund des in letzter Zeit ständig drehenden Windes gilt dies für alle Hangrichtungen.
 
Nicht ganz außer Acht lassen sollte man auch noch den unlängst eingeschneiten Oberflächenreif speziell in föhnbeeinflussten Gebieten. Hier sind derzeit besonders die Berge entlang des Wipptals betroffen, wo auch im schattigen, steilen Waldgrenzbereich mitunter störanfällige, meist jedoch kleine Triebschneepakete zu beachten sind.
 
Lawinenauslösung auf der Nordseite der Nockspitze auf kürzlich eingeschneitem Oberflächenreif. Skitourengeher in der Abfahrt lösten dieses Schneebrett aus. Es passierte nichts.  (Foto: 26.02.2015)
 
Anhand eines Schneeprofils aus den Zillertaler Alpen erkennt man den eingeschneiten Oberflächenreif.
 
Die Altschneedecke ist inzwischen meist recht spannungsarm. Einerseits haben sich die zwischen Krusten eingelagerten kantigen Kristalle meist ausreichend miteinander verbunden, andererseits findet man in besonnten Hängen mitunter mächtige, die Schneedecke stabilisierende Schmelzharschdeckel. Verzahnungen durch gefrorene Wassersäulen, die durch abfließendes Schmelzwasser entstanden sind, fördern zudem derzeit die Stabilisierung.
 
Zwischen den Handschuhen erkennt man oben einen dicken Schmelzharschdeckel, darunter eine Eisschicht: Abfließendes Schmelzwasser wurde dort offensichtlich an einer harten Kruste gestaut, floss ab und gefror anschließend. Grünsteinscharte (Westliche Nordalpen).
 
Gestern am 27.02. waren kurzfristig auch Lockerschneelawinen aus felsdurchsetztem, besonnten Gelände ein Thema.
 
Oberhalb der Wolken führte Strahlungseinfluss zu einer Destabilisierung des lockeren Neuschnees. Lockerschneelawinen waren die Folge, wie hier in der „Hölle" in den Mieminger Bergen, Westliche Nordalpen (Foto: 26.02.2015)
 
 
Das Bild gibt die derzeitige Situation sehr gut wieder: Meist lockerer Pulverschnee samt Lockerschneelawinen. Schöntalspitze, Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 26.02.2015)
 
Wie geht es weiter? Wir erwarten im Westen vom 27.02. auf den 28.02. ca. 15cm Neuschnee.
 
 
Der Wind dreht von Süd auf westliche Richtung und frischt auf. Morgen am Samstag, dem 28.02. überwiegen weiterhin günstige Verhältnisse. Ab Sonntag werden sich dann mit zum Teil stürmischem Wind vermehrt Triebschneepakete bilden. Diese werden allgemein im Sektor WNW über N bis ONO sowie in größeren Höhen auch in den übrigen Expositionen zu beachten sein. Als Gleitfläche wird dann die Schichtgrenze zwischen Triebschnee und überlagerten, lockeren Pulverschnee dienen. Nächste Woche soll es wechselhaft weitergehen.
 

Dienstag, 24. Februar 2015

Kleinräumige Gefahrenstellen in Form von frischen Triebschneeansammlungen

Der Wechsel aus stürmischem Föhn, nachlassendem Wind, geringem Neuschneezuwachs und neuerlich aufkommendem Wind samt etwas Neuschnee führte inzwischen zu neuen Verfrachtungen auf Tirols Bergen.
 
Diese sind allerdings meist nur kleinräumig anzutreffen, bisher am ehesten entlang der typischen Föhnschneisen im schattigen Steilgelände. Ab heute, dem 24.02. ist mit dem auf Nord drehenden und im Tagesverlauf zunehmenden Wind dann zusätzlich speziell in größeren Höhen auf frische, kammnahe, ebenso eher kleine Triebschneepakete im Südsektor zu achten. 
 
Gestern am 23.02. legte der Wind in den Föhnschneisen zu. Die wenigen cm Neuschnee vom Vortag wurden verfrachtet.
 
Windeinfluss am Lüsener Ferner (Foto: 22.02.2015)
 
Am leichtesten lassen sich derzeit frische Triebschneepakete im schattigen Steilgelände vom Waldgrenzbereich aufwärts auslösen. Dort bestand die Altschneeoberfläche mancherorts (vermehrt im Waldgrenzbereich sowie kammnah) aus einer etwas ausgeprägteren Oberflächenreifschicht. Die Verbindung von Triebschnee mit Oberflächenreif ist schlecht, die Störanfälligkeit entsprechend hoch.
 
Oberflächenreif auf ca. 1800m in den Westlichen Nordalpen am 20.02.2015
 
Frischer Triebschnee auf Oberflächenreif am Weg zum Wolfendorn (Foto: 23.02.2015)
 
Kleinräumiges Triebschneepaket, das im Aufstieg durch einen Skitourengeher im Bereich der Versingalpe im Paznauntal auf Oberflächenreif ausgelöst wurde (Anrisshöhe ca. 10-15cm, Breite: ca. 15m, Länge ca. 5m)  (Foto: 23.02.2015)

Sonntag, 22. Februar 2015

Vorsicht vor kleinräumigen Triebschneepaketen, vermehrt im kammnahen schattigen Steilgelände

Stürmischer Südwind, der inzwischen deutlich nachgelassen hat sowie einige cm Neuschnee haben sich nur kleinräumig auf die Lawinensituation ausgewirkt. Aufpassen sollte man vermehrt im schattigen, kammnahen Steilgelände. Dort haben sich teilweise frische, meist jedoch nicht allzu mächtige Triebschneepakete gebildet. Dieser Triebschnee lagert mancherorts auf Oberflächenreif und ist deshalb leicht zu stören. Mit etwas Erfahrung in der Lawinenbeurteilung lassen sich diese Gefahrenstellen jedoch leicht erkennen und dementsprechend umgehen.
  
Anhand der Wetterstation Sonntagsköpfl in den Tuxer Alpen erkennt man den stürmischen Föhn, der inzwischen deutlich nachgelassen hat. Die Schneeoberfläche war südseitig oft verharscht, sodass nicht allzu großes Verfrachtungspotenzial vorhanden war. Triebschneepakete sind deshalb meist gering mächtig. Mit Nachlassen des Föhns hat es leicht zu schneien angefangen. Es wird bei wenigen cm. Neuschnee bleiben.     

Freitag, 20. Februar 2015

Vorerst noch günstige Verhältnisse…

Allein schon die Tatsache, dass bei bestem Wetter seit dem 14.02. keine Meldungen über Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung sowohl bei uns als auch bei der Leitstelle Tirol eingegangen sind, zeigt, dass sich die Lawinensituation entspannt haben muss.
 
Dies wird zusätzlich durch unsere Stabilitätsuntersuchungen, aber auch durch die vielen Rückmeldungen unserer Beobachter sowie von engagierten Wintersportlern untermauert.
 
In besonnten, sehr steilen Hängen hat sich die Schneedecke aufgrund der intensiven Strahlung und der teilweise doch schon recht warmen Temperaturen (trotz der meist sehr trockenen Luft)  zumindest bis etwa 2800m zumindest oberflächig sehr gut verfestigt. Dies hat mit dem Wechsel aus tageszeitlicher Durchfeuchtung und nächtlicher Ausstrahlung der Schneedecke zu tun. Bei klarem Himmel strahlt die Schneedecke nämlich (ähnlich einem Ofen) viel Wärme ab, kühlt dadurch aus und gefriert an der Oberfläche. Das Ergebnis sind mehr oder weniger tragfähige Harschdeckel.
 
Dementsprechend konnte und kann man im sehr steilen besonnten Gelände bis zumindest 2500m immer wieder auch guten Firn antreffen.
 
Abfahrt vom Seejoch in den Nördlichen Stubaier Alpen bei bestem Firn (Foto: 17.02.2015)
 
Firn auch in Osttirol, wie hier bei der Abfahrt vom Platinger Habach (Foto: 18.02.2015)
 
Zusätzlich beobachtet man, dass sich die während des Winters so ausgeprägten lockeren, kantigen Schichten, die zwischen Krusten eingelagert waren, doch zunehmend auch im schattigen Gelände verbinden. Zwar sind diese Schichten weiterhin gut zu erkennen, jedoch zeigen Stabilitätsuntersuchungen, dass sich Risse kaum mehr fortpflanzen.
 
Ein typisches Bild bei Stabilitätsuntersuchungen: Am Bild erkennt man einen Schneeblock, bei dem sämtliche seitlichen Verbindungen getrennt wurden. Auf der linken Seite des Blocks wurde der Block durch Schläge auf ein Schaufelblatt belastet. Bei einem kräftigeren Schlag brach zwar ein Block bei einer Schicht aus kantigen Kristallen, jedoch pflanzte sich der Bruch nicht mehr seitlich nach rechts aus. Dies ist positiv zu sehen und weist auf die zunehmende Verbindung der kantigen Kristallen hin.
 
Einzig an schneearmen Stellen findet man immer wieder noch Nester aus Schwimmschnee. Meist haben sich in diesen Bereichen darüber gelagerte Schichten jedoch derart aufbauend umgewandelt, dass Spannungen für die Auslösung von Schneebrettern meist fehlen. Dennoch, wenn man Schneebrettlawinen auslösen kann, dann derzeit wohl am ehesten noch an solchen Stellen, wo älterer, etwas mächtigerer Triebschnee auf Schwimmschnee lagert.
 
Was die Schneequalität anlangt, so hat sich neben dem angesprochenen Firn, der Pulver deutlich zurückgezogen. Meist ist die Schneedecke schattseitig und in größeren Höhen inzwischen vom Wind geprägt.
 
Die Schneequalität hat vielerorts abgenommen. Unterwegs in der Silvretta (Foto: 18.02.2015)
 
Am Weg zur Kuhscheibe in den Nördlichen Stubaier Alpen erkennt man auch gut den Windeinfluss (Foto: 17.02.2015)
 
Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass sich stellenweise Oberflächenreif gebildet hat. Meist ist dieser nicht allzu ausgeprägt, was auch mit der trockenen Luft zu tun hat. Vermehrt anzutreffen ist dieser derzeit in Kammnähe (Nigg-Effekt): Wärmere Luft steigt südseitig auf, streicht über die kalte Schneeoberfläche schattseitig in Kammnähe. Dort lagert sich die Feuchtigkeit in Form von Oberflächenreif ab.
 
Nigg-Effekt auf der Nockspitze (Foto: 17.02.2015)
 
Leichter Nigg-Effekt auch im Verwall (Foto: 19.02.2015)
 
Was gibt es sonst noch zu berichten:
 
Es werden zunehmend auch sehr steile Touren unternommen, wie hier am Hochgall in Osttirol (Foto: 16.02.2015)
 
In tiefen und mittleren Höhenlagen meist unterdurchschnittliche Schneehöhe. Vorsicht vor Steinen
 
Höher gelegene Hütten haben bereits offen bzw. sperren gerade auf. Zurzeit findet man dort durchwegs gute Tourenbedingungen, wie hier z.B. auf der Jamtalhütte in der Silvretta (Foto: 19.02.2015)
 

Samstag, 14. Februar 2015

Impressionen der vergangenen Tage…

Firn, Pulver, Bruchharsch, für die Jahreszeit meist unterdurchschnittliche Schneehöhe, zunehmende Verlagerung der Gefahrenstellen von besonnten Hängen in Schattenhänge, oberer Bereich der Stufe 2 (mäßige Gefahr): So lässt sich die Situation kurz und bündig charakterisieren. Hier ein paar Fotos…
 
Nachtrag vom 16.02.: Wir wurden darüber informiert, dass die Lawine unterhalb des Kögeles nicht durch Sonneneinstrahlung, sondern durch einen Skitourengeher ausgelöst wurde. Der Skitourengeher wurde nicht erfasst. (Foto: 12.02.2015)
 
Firn im sehr steilen besonnten Gelände, Zentralosttirol (Foto: 13.02.2015)
 
Pulver in der Valluga Nord, Arlberg (Foto: 13.02.2015)
 
Windbeeinflussung im hochalpinen Gelände, wie hier am Weg zur Wildspitze (Foto: 12.02.2015)
 
Sehr steiles besonntes Gelände ist v.a. noch bei zunehmender Durchfeuchtung kritischer zu beurteilen. Lawinenauslösung Kreuzjochkogel, Nördliche Stubaier Alpen am 13.02.2015, nichts passiert
 
Lockerschneelawinen, wenig Schnee; Speikboden, Zentralosttirol (Foto: 13.02.2015)