Samstag, 6. Februar 2016

Lawinenabgang unterhalb des Geiers forderte 5 Todesopfer

Der 06.02. entpuppte sich als ein Tag mit sehr vielen Lawinenereignissen, bei denen Personen involviert waren. Die allermeisten hatten unserem Informationsstand zufolge mit dem bekannten Altschneeproblem oberhalb etwa 2300m zu tun.
 
Bei einem dieser Lawinenabgänge unterhalb des Geiers in den Tuxer Alpen wurden zwei aus Tschechien stammende Gruppen mit insgesamt 17 Personen während des Aufstiegs von einer großen Schneebrettlawine erfasst und verschüttet. 5 Personen konnten nur mehr tot geborgen werden, 2 waren verletzt, die restlichen Personen unverletzt.
 
Wir waren heute an der Unfallstelle. Eine detaillierte Unfallanalyse sowie eine Analyse der Gesamtsituation folgen morgen. Hier vorab zwei Fotos, die einen ersten Eindruck über das gewaltige Ausmaß der Lawine verschaffen sollen.
 
Die Lawine unterhalb des Geiers in den Tuxer Alpen. (Foto: 06.02.2016)
 
Während des Lawineneinsatzes (Foto: 06.02.2016)
 

Donnerstag, 4. Februar 2016

Kurzer Rückblick samt Vorschau – Vorsicht: Kurzfristig herrschen für den Wintersportler aufgrund von frischem Triebschnee ungünstige Verhältnisse

Wir haben wieder sehr intensive und interessante Tage hinter uns. Im Zuge der Wartung von Wetterstationen konnten wir uns am Dienstag, dem 02.02. einen Überblick über die Situation aus der Luft (und im Gelände) machen. Wir waren im schneereicheren Westen von den Südlichen Stubaier Alpen über die Silvretta bis zum Arlberg unterwegs. Dabei beobachteten wir zahlreiche spontane Lawinen. Die meisten davon dürften am Sonntag bzw. in der Nacht von Sonntag auf Montag abgegangen sein.
Spontane Lawinen im Malfontal (Foto: 02.02.2016)
Genau wissen wir es von einer Schneebrettlawine beim Wetterstationsstandort am Adamsberg oberhalb von Galtür. Ein abrupter Anstieg der Schneehöhe zeigt uns den exakten Abgangszeitpunkt einer Schneebrettlawine, die den Standort überspülte.
Kurz vor Mitternacht löste sich eine spontane Lawine oberhalb des Schneestandortes am Adamsberg. Gut zu erkennen sind zudem die Auftrocknung der Luft am 01.02. sowie der markante Temperaturrückgang seit dem 02.02.2016
Hier noch das zur Wetterstationsgrafik passende Bild.

Auf der Verflachung erkennt man den Standort der Wetterstation und die Lawinenablagerung (Foto: 02.02.2016)
Aus der Luft gut zu beobachten waren auch die guten Sprengerfolge vom Montag, dem 01.02.2016.
Sprengerfolge in der Silvretta-Skiarena (Foto: 02.02.2016)
Während die Schneedecke am Wochenende bis meist 2200m, vereinzelt bis 2500m hinauf von Regen beeinflusst wurde, war dies in großen Höhen durch den Wind der Fall.
Durchnässung der Schneedecke in tiefen und mittleren Höhenlagen. Verbreitet bildete sich an der Schneeoberfläche ein meist brüchiger Schmelzharschdeckel. (Foto: 02.02.2016)
Hochalpin hat man am 02.02. häufig eine stark vom Wind beeinflusste Schneeoberfläche vorgefunden.
Summa summarum hat sich das turbulente Wetter bis 01.02. in der Früh positiv auf die Gesamtsituation ausgewirkt. Viele Lawinenstriche haben sich von selbst entladen. In den regenbeeinflussten Gebieten stabilisierte sich die Altschneedecke durch den Temperaturrückgang. Ebenso besserte sich das bekannte Altschneeproblem zumindest bis etwa 2400m hinauf deutlich (In Zentralosttirol regnete es weniger. Hier kann es bei den zu erwartenden Schneefällen vermehrt noch zu Problemen kommen). Vermehrt aufpassen heißt es derzeit an schneearmen Stellen im Steilgelände.
Inzwischen hat sich das Triebschneeproblem wieder in den Vordergrund geschoben. Man kann auch sagen: Wir haben perfekte Zutaten für ein klassisches Triebschneeproblem: Es ist kalt, es schneit (bzw. beginnt vielerorts gerade zu schneien) und der Wind legt zu! Problembereiche findet man somit vermehrt innerhalb des kürzlich gefallenen Neuschneepakets.
Innerhalb dieses Neuschneepakets erkennt man glitzernde Schichten aus Neuschneekristallen, eingerahmt von dichteren, vom Wind beeinflussten Schichten. Lockerer Neuschnee kann mitunter als Schwachschicht dienen. (Foto: 02.02.2016)
Hinter Geländekanten kann man derzeit (am 04.02.) leicht frischen Triebschnee auslösen. Dieser lagert auf lockerem Neuschnee, der die Schwachschicht bildet. Südliche Stubaier Alpen
Am Stubaier Gletscher lösten gestern am 03.02. und heute am 04.02. Wintersportler solche Triebschneepakete aus. Einmal unterhalb des Hinteren Daunkogels wurde eine Person verletzt, einmal im Bereich des Rotadlliftes wurde niemand verschüttet. Die betroffene Person meldete sich zum Glück bald nach dem Abgang.
Wintersportler löste im Variantenbereich ein Schneebrett aus, wurde jedochnicht verschüttet. Stubaier Gletscher – Rotadlift (Hinter Geländekanten (Foto: 04.02.2016)
Für die kommenden Tage werden solche Vorfälle wohl nicht ganz zu verhindern sein. Umso mehr möchten wir an dieser Stelle an die Vernunft der Wintersportler appellieren, zurückhaltend zu sein. Triebschneepakete sind definitiv zum Teil sehr störanfällig. In Folge ist mitunter auch ein Durchbrechen in tiefere Schichten denkbar, was sich negativ auf die Lawinengröße auswirkt!
Bereits jetzt ist es windig auf den Bergen. Über Nacht soll es stürmisch werden…Tuxer Alpen (Foto: 04.02.2016)

Dienstag, 2. Februar 2016

Nach einer kritischen Lawinensituation mit Regen, Schnee und Sturm vorläufige Beruhigung der Situation

Die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle haben perfekt gepasst. Der Wechsel aus einer Kalt- und Warmfront brachte zwischen Samstag, dem 30.01. nachts bis Montag, dem 01.02. morgens zum Teil beachtliche Neuschneemengen. Leider war es unterhalb etwa 2000m (lokal bis knapp 2400m) häufig auch Regen. 


Besonders eindrucksvoll erkennt man den Wetterverlauf an den Wetterstationen:

Am 30.01. in der Nacht begann es auf der Jöchlspitze im Außerfern zu schneien. Am Sonntag nachmittags stiegen die Temperaturen an. Aus Schnee wurde Regen. Die Gesamtschneehöhe sank durch den Regeneintrag in dieser Höhenlage fast wieder auf Ausgangsniveau. Gestern am 01.02. drang dann im Tagesverlauf etwas trockenere Luft ein. Die nasse Schneeoberfläche begann zu frieren. Ein dünner Schmelzharschdeckel war die Folge.

Spitzenreiter bei den Niederschlägen war das östliche Unterland. In Kössen wurden während der vergangenen Niederschlagsperiode 120mm Regen gemessen!

Massiver Regen im nordöstlichen Unterland

Diese Wetterperiode wirkte sich klarerweise massiv auf die Lawinensituation aus. Am Sonntag wurde die Lawinengefahr in weiten Teilen Tirols als groß beurteilt. Am Montag, dem 01.02. gingen wir in der Früh davon aus, dass die spontane Lawinenaktivität mit Ende der Niederschläge großteils beendet war, weshalb wir uns für die Ausgabe einer kritischen Stufe 3 entschieden. 

Spontane Schneebrettlawine unterhalb der Freihut in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 01.02.2016)

Zum Teil sehr gute Sprengerfolge im südwestlichen Teil der Ötztaler Alpen, bei denen v.a. im Nordsektor mittelgroße bis große Lawinen auf dem schwachen Altschneefundament ausgelöst wurden, wiesen auf alle Fälle auf eine kurzfristig noch hohe Störanfälligkeit der Schneedecke hin. In mittleren Höhenlagen waren Sprengerfolge hingegen meist mäßig.
Was aufgefallen ist, waren dann auch vermehrte nasse Lockerschneelawinen aus besonntem, vom Regen beeinflusstem Gelände.

Lockerschneelawine vom Hafelekar, Westliche Nordalpen (Foto: 01.02.2016)

Eine Besonderheit gab es im regenreichen, schneearmen Unterland: Schlammlawinen, anstelle von Schneelawinen.
Die Schneeoberfläche wurde – wie schon erwähnt – unterhalb von 2200m massiv vom Regen beeinflusst.

Typische Schneeformation nach massivem Regenfall. Beispiel: Seegrube, Westliche Nordalpen (Foto: 01.02.2016)
Bereits am Nachmittag des 01.02. beobachtete man häufig die Bildung eines Bruchharschdeckels, einerseits durch sinkende Luftfeuchtigkeit, andererseits durch Windeinfluss (Foto: 01.02.2016)

Hochalpin gab es zudem teilweise noch ein Triebschneeproblem.

Lawinenabgang im Variantenbereich des Stubaier Gletschers. Person unverletzt (Foto: 01.02.2016)

Nun soll es deutlich kälter werden. Das Altschneeproblem wird weiter abnehmen.
Allerdings muss man mit neuerlichen Schneefällen v.a. auf ein Triebschneeproblem achten.

Freitag, 29. Januar 2016

Verteilung der Lawinenereignisse in Tirol seit 01.01.2016 sowie Kurzanalyse der Situation

Auffallend ist seit Jahresbeginn 2016 die Häufung der Lawinenereignisse v.a. in den schneeärmeren, inneralpinen Regionen. Unser Praktikant Hans Seiwald hat dazu folgende, sehr aussagekräftige Abbildungen erstellt:
Räumliche Verteilung der Lawinenereignisse in Tirol seit Anfang des Jahres 2016
Die meisten dieser Lawinenereignisse hatten mit dem bekannten Altschneeproblem zu tun. Leider hat sich daran inzwischen nicht allzu viel geändert.
Zeitliche Verteilung der Lawinenereignisse in Tirol seit Anfang des Jahres 2016
Die Schneedecke bleibt oberhalb etwa 2100m weiterhin störanfällig, dies vermehrt in den inneralpinen Regionen. Betroffen ist anfangs v.a. schattiges Gelände, oberhalb etwa 2300m unverändert auch besonnte Hänge. Bei den besonnten Hängen bestätigt sich in den meisten Fällen eine erhöhte Gefährdung v.a. dort, wo sich bis Silvester eine von Schmelzprozessen beeinflusste Altschneedecke halten hat können. (Darüber hat sich dort seit Silvester eine meist dünne, lockere kantige Schicht gebildet, die von gebundenem (Trieb-)Schnee überlagert wurde und flächig als Gleitfläche für Schneebrettlawinen dienen kann). Die Erwärmung und Durchfeuchtung seit Montag, dem 25.01.2016 führte teilweise zu einer Schwächung dieser Schicht und folglich zu spontanen Lawinenabgängen, was heute (29.01.) nicht mehr zu erwarten ist.
In besonnten Hängen hat der Wärmeeintrag in schneearmen Bereichen zumindest unterhalb etwa 2300m inzwischen zu einer Besserung der Situation geführt. Man beobachtet wieder vermehrt Teilbrüche. Darüber bleibt die Situation mitunter unberechenbar und somit heimtückisch, weil Gefahrenbereiche nicht ganz einfach erkannt werden können. Serfaus-Lazid, Samnaungruppe (Foto: 28.01.2016)
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Verteilung der uns bekannt gewordenen Lawinenabgängen mit Personenbeteiligung nach der Exposition: 90% passierten im Sektor W über N bis O (davon ein Großteil im Sektor N über NO bis O), die restlichen 10%  im Sektor O über S bis W.
Verteilung der Lawinenereignisse nach Exposition seit 01.01.2016
Unterwegs in den Ötztaler Alpen. (Korrektur vom 30.01.: Aus Insiderkreisen wurde bekannt, dass es sich offensichtlich um eine am 20.01. spontan abgegangene Lawine und nicht - unserem Informationsstand entsprechend - um eine von einem Wintersportler ausgelöste Lawine handelt.) (Foto: 24.01.2016)
Gamsgarten, Stubaier Gletscher: Eine von Wintersportlern ausgelöste Schneebrettlawine ohne Folgen (Foto: 24.01.2016)
Vermehrt treten die Probleme jedoch immer noch in beschatteten Hängen auf. Hochalter, Nördliche Stubaier Alpen (Foto:24.01.2016)

Am 28.01.2016 sind im Bereich der Wanglspitze zwei Personen im 40° steilen, Nordost exponiertem Gelände von einer Lawine erfasst und verschüttet worden. Sie hatten großes Glück, da sie von den Bergrettern rasch geortet und ausgegraben wurden.

Im schneereichen Westen des Landes mehren sich inzwischen auch die Wechtenbrüche.
Wechtenbruch am Gipfel des Tschachaun, Außerfern (Foto: 24.01.2016)
Spontane Lawinenaktivität unterhalb des Aifners in der Region der Nördlichen Ötztaler Alpen vom 27.01.2016 (Foto: 29.01.2016)
Was noch auffällt:
Vermehrte Gleitschneeaktivität in besonnten Hängen, Samnaun (Foto: 28.01.2016)
Stark vom Wind beeinflusste Schneedecke in größeren Höhen  (Granatspitzgruppe) Foto: 24.01.2016
Nachtrag vom 29.01.09:30 Uhr:
Auch hochalpin, also oberhalb etwa 3000m ist das Altschneeproblem ein Thema. Meist ist die Schneeauflage mächtig genug bzw. die Schneeoberfläche hart, sodass eine Störung durch Wintersportler unwahrscheinlicher ist. Dennoch sind uns auch kürzliche Lawinenabgänge aus diesen Höhenbereichen bekannt.

Spontanes Schneebrett im Bereich des Hinteren Wilden Turmes in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 28.01.2016)  


Ein kürzlich aufgenommenes Schneeprofil im Nahbereich des oben erwähnten Lawinenabgangs zeigt u.a. die markante bodennahe Schwachschicht. Auffallend ist auch eine dünne kantige Schicht in Oberflächennähe (vermutlich unter einer vormaligen Windkruste entstanden).

Kurzer Ausblick: Am Sonntag, dem 31.01. wird von der ZAMG-Wetterdienststelle äußerst unfreundliches Wetter vorhergesagt. Anfangs soll es kurz bis in die Täler schneien, dann (zumindest im Westen) sehr rasch bis zumindest 2000m hinauf regnen. Zusätzlich wird es stürmisch. Diese Wetterkombination spricht für vermehrte spontane Lawinenaktivität mit Brüchen in der Altschneedecke.

Mittwoch, 27. Januar 2016

Kurzanalyse der Lawinenabgänge unterhalb des Roßkopfes und des Kleinen Gilferts am 26.01.2016

Gemeinsam mit der Alpinpolizei haben wir heute am 27.01. die Unfallanalysen der Lawinenabgänge unterhalb des Roßkopfes sowie unterhalb des Kleinen Gilferts in den Tuxer Alpen durchgeführt.

Bei beiden Unfällen bestätigte sich das vorherrschende Altschneeproblem mit den bodennahen Schwachschichten vom Frühwinter. Unsere Stabilitätstests zeigten überwiegend eine immer noch hohe Störanfälligkeit von lockeren, aufbauend umgewandelten Schichten, die sich im Nahbereich von mehr oder weniger dicken Schmelzkrusten befanden. Die Profile findet man wie gewohnt hier:

Am rechten oberen Bildrand erkennt man einen Lawinenabgang unterhalb des Kleinen Gilferts. Diese Lawine wurde am vergangenen Sonntag, den 24.01. von Wintersportlern ausgelöst. Es passierte nichts. Mittig ist jene Lawine eingezeichnet, die von Bergrettern kurz vor 21:00 Uhr während der Suchaktion nach dem tödlich verunglückten Skitourengeher ausgelöst wurde. Der Bergretter konnte rasch ausgegraben werden. Er war ansprechbar und unverletzt. Im Hintergrund erkennt man die Unfalllawine unterhalb des Roßkopfes (Foto: 27.01.2016)

Der tödlich verunglückte einheimische Tourengeher löste das Schneebrett im Aufstieg bei der Querung unterhalb des Roßkopfes in einem 40 Grad steilen NNO-Hang aus. Aufgrund der Verschüttungsstelle und des Lawinenanrisses gehen wir davon aus, dass die Lawine in einem schneearmen Bereich ausgelöst wurde. Das Schneebrett hatte mittlerer Größe bei einer Länge von ca. 250m und einer Breite von ca. 150m. Die Anrissmächtigkeit schwankte zwischen etwa 0,2 und 1m.

Auffallend waren einige Gefahrenzeichen während des Aufstieges: einerseits die Lawine unterhalb des Kleinen Gilferts, andererseits die Ablagerung einer spontanen Schneebrettlawine im Gipfelhang. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürften während des Aufstieges auch Setzungsgeräusche zu vernehmen gewesen sein.

Die Unfalllawine im Überblick: Am Bild erkennt man die Aufstiegsspur. Bei der bläulich eingefärbten Lawine handelt es sich um ein spontanes, älteres Schneebrett. Punktiert eingezeichnet ist der vermutliche Weiterweg. Der Kreis zeigt die Verschüttungsstelle. (Foto: 27.01.2016)

Die Aufstiegsspur führt anfangs in die Ablagerung einer älteren Schneebrettlawine. Der Kreis zeigt die Verschüttungsstelle (Foto: 27.01.2016)

Typisch vermehrt für die inneralpinen Regionen: Bodennahe Schwachschichten wechseln mit Krusten ab. Darüber lagert gebundener Schnee, meist in Form von Triebschnee.

Die Schneebrettlawine unterhalb des Kleinen Gilferts wurde in der Aufstiegsspur des Verunglückten im flachen Gelände ausgelöst. Es handelte sich somit um eine Fernauslösung. Tückisch für diesen Winter ist die in früheren Blogs bereits angeführte diffuse Verteilung von Gefahrenbereichen mit einem Altschneeproblem. Vermehrt betroffen sind unverändert schattige Bereiche. Aber auch in besonnten Hängen findet man auf Schmelzkrusten zum Teil ausgeprägte lockere Schichten, dies vermehrt oberhalb etwa 2200m. Am Bild der Unfalllawine erkennt man, dass die Lawine großteils nicht bis zum Boden gebrochen ist. Es handelte sich um einen Bereich, an dem sich eine harte Schmelzkruste bis Ende des Jahres halten konnte. (was in dieser Exposition und Höhenlage nicht flächig der Fall war). Ab Neujahr bildete sich darüber eine Schicht aus kantigen Kristallen, die als Schwachschicht diente.

Vor dem Alpinpolizist am Bild befindet sich die Verschüttungsstelle des Bergretters. Perfekte Kameradenrettung konnte Schlimmes vermeiden. (Foto: 27.01.2016)

Ein Blick in die Schneedecke orographisch rechts des Anrisses bei der Lawine, die den Bergretter verschüttete. Links erkennt man am Boden eine Schmelzkruste, darüber eine lockere Schicht, darüber gebundenen (Trieb-)Schnee.