Freitag, 13. Mai 2016

Pfingsten steht im Zeichen der Eisheiligen

Laut ZAMG-Wetterdienststelle steht Pfingsten heuer im Zeichen der Eisheiligen. Es soll kalt, windig und unbeständig werden. Die Schneefallgrenze wird sich meist um 1500m einpendeln. Etwas wetterbegünstigt, jedoch windig soll es in Osttirol sein.

Wintersportler, die es dennoch in die Höhe zum Skitourengehen zieht, sollten im Wesentlichen auf vier mögliche Problembereiche achten:

- Meist kleinräumige, frische Triebschneepakete in hohen und hochalpinen, vermehrt kammnahen Bereichen.

- Lockerschneelawinen dort, wo nach den Schneefällen die Sonne bzw. diffuse Strahlung wirkt.

- Schattseitig findet man oberhalb etwa 2400-2500m, sonnseitig inzwischen v.a. in hochalpinen Bereichen (über etwa 3000m) noch bodennahe Schwachschichten vom Frühwinter. Bei fortschreitender Durchfeuchtung bzw. Durchnässung können diese (derzeit meist recht gut verbundenen) Schichten wieder an Festigkeit verlieren. Vermehrt aufpassen heißt es überall dort, wo die Schneedecke in diesen Höhenbereichen derzeit schon bis zum Grund durchfeuchtet ist bzw. dann bei neuerlichem, kräftigen Wärmeeintrag, was wohl erst nach Pfingsten der Fall sein wird.

- Bei Schneefällen im Frühjahr lagern sich immer wieder Graupelschichten ein. Dort, wo diese mehrere cm dick sind, können sie eine mögliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen bilden. Eine ähnliche Situation hatten wir vergangenes Wochenende, als einige Wintersportler oberflächennahe Schneebretter ausgelöst hatten. Unserem Informationsstand dürfte es sich dabei zu einem Großteil um eingelagerten Graupel gehandelt haben.

Unterwegs in den Nördlichen Stubaier Alpen. Spontane Schneebrettlawinen mit einer oberflächennahen Schwachschicht. Es handelte sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um Graupel. (Foto: 06.05.2016)

Lawinenauslösung unterhalb der Weißseespitze am 05.05. in den Südlichen Ötztaler Alpen. (Foto: 06.05.2016)

Lawinenauslösung unterhalb des Gamezkogels, Nahbereich des Sulzkogels in den Nördlichen Stubaier Alpen. (Foto: 05.05.2016)

So spät im Frühjahr wirkt die Strahlung nach Schneefällen besonders rasch auf die Schneedecke ein. In kurzer Zeit können vermehrt nasse Lockerschneelawinen, in vormals windbeeinflussten Bereichen mitunter auch spontane, oberflächennahe Schneebrettlawinen abgehen. Jamtal in der Silvretta am 04.05.2016

Eine nächste Aktualisierung des Blogs erfolgt bei einer gravierenden Änderung der Lawinensituation, bei besonderen Vorkommnissen sowie interessanten Entwicklungen. Inzwischen wünschen wir eine schöne und sichere Zeit im Schnee.

Samstag, 7. Mai 2016

Schattseitig gebietsweise oberflächennahe Schwachschicht beachten

Tageszeitliche Durchfeuchtung und nächtliche Ausstrahlung versprechen derzeit vielerorts gute Bedingungen (mit tollem Firn in besonnten Hängen) bei frühzeitiger Abfahrt.

Wichtig erscheint uns jedoch, darauf hinzuweisen, dass sich oberhalb der Anfang April entstandenen Saharastaubschicht schattseitig in Höhenbereichen zwischen etwa 2500-2800m inzwischen teilweise, störanfällige, kantige Schichten gebildet haben. Entsprechende Rückmeldungen haben wir heute am 06.05. von den Osttiroler Tauern erhalten. Selbst konnten wir am 04.05. in der Silvretta auf ca. 2600m schattseitig oberhalb dieser Saharastaubschicht zwar beginnende  aufbauende Umwandlung  feststellen, jedoch zeigten unsere Stabilitätstests keine besorgniserregenden Ergebnisse.

Bei Unsicherheit reicht ein rascher Blick in die Schneedecke bzw. Verzicht auf sehr steiles Gelände in diesen Höhenbereichen (vorstellbar ist dieser Prozess auch über ca. 3000 m in besonnten Hängen, dürfte jedoch eher kaum mehr zu Problemen führen).

Zusätzlich sollte natürlich allgemein auf die zunehmende Durchfeuchtung und den dadurch bedingten Festigkeitsverlust der Schneedecke geachtet werden.

Freitag, 29. April 2016

Nach winterlichen Verhältnissen stellt sich wieder eine Frühjahrssituation ein

Die vergangenen Tage waren in der Höhe tief winterlich. Die Berge zeigten sich dabei zum Teil so verschneit, wie den ganzen Winter nicht.

Tief verschneit präsentiert sich die Grubenwand in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 28.04.2016)

Am kräftigsten schneite es in Osttirol. (Osttiroler Tauern bis zu 50cm). Das Foto wurde am Weg zum Hochstein oberhalb von Lienz aufgenommen. (Foto: 27.04.2016)

Trotz des bis zum 27.04. meist starken Windes konnte man in größeren Höhen doch auch tollen Pulverschnee genießen.

Ein Pulvertraum im Tourengebiet der Franz-Senn-Hütte (Foto: 28.04.2016)

Nun beginnt die Temperatur bei allgemein kräftiger Sonneneinstrahlung zu steigen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie rasch die Schneedecke um diese Jahreszeit nach einer überdurchschnittlich kalten Zeit wieder feucht wird.

Auffallend: Neuschneezuwachs am 27.04. (Die Schneestation war die Tage zuvor bereits ausgeapert, was man auch gut anhand der positiven Oberflächentemperatur erkennt.) Neuschneezuwachs am 27.04. und eine sternenklare Nacht vom 27.04. auf den 28.04. ließen die Schneeoberflächentemperatur in den Keller rasseln: -20°!) Heute am 29.04. steigt die Temperatur deutlich an. In kürzester Zeit erreichte die Schneeoberflächen wieder eine Temperatur von 0°C.

Bereits gestern am 28.04. wirkte sich der Strahlungseinfluss auch auf die Lawinentätigkeit aus. Aus felsigem Gelände gingen immer wieder Lockerschneelawinen ab.

Lockerschneelawinen in den Südlichen Stubaier Alpen (Foto: 28.04.2016)

Hochalpin konnte man die kürzlich gebildeten Triebschneepakete, v.a. im extrem steilen Gelände noch stören. Dies bestätigte sich u.a. unterhalb der Westlichen Schwarzenbergspitze in den Stubaier Alpen, wo Wintersportler während des Aufstiegs eine Schneebrettlawine auslösten. Es war wohl einiges an Glück im Spiel, dass dabei niemand zu Schaden gekommen ist.

Lawinenauslösung in einem extrem steilen NO-Hang auf ca. 3300m unterhalb der Westlichen Schwarzenbergspitze (Foto: 28.04.2016)

Ein Vorteil während des Frühjahrs besteht u.a. auch darin, dass sich oberflächennahe Schwachschichten relativ rasch mit den umliegenden Schichten verbinden. Gestern am 28.04. war dies v.a. unterhalb von 3000m sehr gut festzustellen.

Ein Blick auf die Schneeoberfläche: Eine Abfolge von weicheren und härteren Schichten, die – wie hier am Bild auf ca. 2600m SO-seitig - leicht durchfeuchtet und untereinander bereits gut verbunden waren. (Foto: 28.04.2016)

Bei diesem, von unserem Beobachter Lukas Ruetz aufgenommenen, Profil erkennt bei 109,5cm eine dünne, leicht aufbauend umgewandelte Schicht oberhalb der Saharastaubschicht. Die Verbindung ist gut. Der Prozess der aufbauenden Umwandlung (Gefahrenmuster 4 = kalt auf warm) ist inzwischen durch die steigenden Temperaturen und die Schneeauflage gestoppt worden. Wichtig erscheint bei dem Profil die bodennahe Schwachschicht, die bei fortschreitender Durchnässung der Schneedecke wieder aktiviert werden kann.

Ergänzend zum vorigen Profil unten noch eines, welches wir am 28.04. auf Gletschereis aufgenommen haben.


Man erkennt auch dort mögliche, bodennahe Schwachschichten, die derzeit zwar unproblematisch sind, dann aber v.a. zum Problem werden können, wenn freies Wasser eindringt.

Solche möglichen Schwachschichten findet man derzeit v.a. in den Stubaier, Ötztaler, Tuxer und Zillertaler Alpen schattseitig oberhalb etwa 2400m-2500m, in besonnten Hängen oberhalb etwa 3000m. Es handelt sich dabei um ein Relikt der während des Winters so dominierenden, bodennahen Schwachschicht(en). Dies gilt es bei der Tourenplanung im Monat Mai prinzipiell nicht ganz außer Acht zu lassen.

Zur Erinnerung ein Bild vom 20.04.2016, als nach intensiven Schneefällen Schneebretter im hochalpinen Gelände bis zum Boden abgegangen sind. Südliche Ötztaler Alpen.

Neben der Durchfeuchtung können auch außergewöhnliche Belastungen Brüche im Altschnee verursachen. Denkbar sind neben großen Neuschneezuwächsen u.a. auch Wechten- oder Eisbrüche.

Vor einem Monat verursachte ein Eisbruch unterhalb der Liebenerspitze eine Lawinenauslösung im Altschnee (Foto: 28.03.2016)

Bei einer bereits durchfeuchteten, bodennahen Schwachschicht reichte z.B. bei einem Lawinenabgang unterhalb des Hoadl in der Axamer Lizum am 20.04. auch das Gewicht einer Dachlawine für die Auslösung einer Schneebrettlawine im schattigen Steilgelände auf 2320m aus. (sh. Blogeintrag).

Eine bodennahe, bereits etwas durchfeuchtete Schwachschicht wurde durch den Impuls einer Dachlawine derart gestört, dass sich folglich eine Schneebrettlawine löste (Foto: 20.04.2016)

Zusätzlich zu den vorigen Ausführungen hier noch kurz ein paar Merkhilfen für das Frühjahr:

Neuschnee reagiert besonders rasch auf Wärmeeintrag. Nach Neuschneefällen im Frühjahr wird man deshalb häufig Lockerschneelawinen beobachten können. Nach Neuschnee und Wind sind mitunter auch spontane Schneebrettlawinen v.a. aus besonnten Hängen möglich.

Werden Schwachschichten in der Altschneedecke erstmals durchnässt, kommt es zu einem massiven Festigkeitsverlust. Hingegen wirkt sich eine oftmalige Abfolge von Durchnässung und Wiedergefrieren schlussendlich positiv auf die Schneedecke aus (Endprodukt: stabiler Sommerschnee).

Während einer klaren Nacht kann sich die am Tag durchfeuchtete Schneedecke zumindest oberflächig verfestigen. Je trockener und kühler die Luft und je klarer die Nacht, desto günstiger ist die Lawinensituation am Morgen. Es besteht dann allerdings häufig erhöhte Absturzgefahr auf der harten Schneeoberfläche.

Eine gute Zeiteinteilung, das heißt ein früher Start und eine rechtzeitige Abfahrt (nach einer klaren Nacht) erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern garantieren häufig auch die bessere Schneequalität.

Hier noch ein paar weitere Eindrücke, welche zeigen, dass das Frühjahr nicht mehr aufzuhalten ist…

Immer häufiger zu beobachten: Murmeltiere

Ein Fuchs auf Streifzug…

Schnee weicht der grünen Wiese (Foto: 28.04.2016)

Lawinenreste im Kaunertal (Foto: 20.04.2016)

Schneebrücken über den Bächen werden weniger und brüchiger

Heute am 29.04. beenden wir die tägliche Erstellung des Lawinenlageberichtes. Bei einer gravierenden Änderung der Lawinensituation, bei besonderen Vorkommnissen sowie interessanten Entwicklungen werden wir jedoch fallweise Informationen zur Lawinensituation ausgeben und selbstverständlich in diesem Blog näher darauf eingehen.

Montag, 25. April 2016

Im Hochgebirge kurzfristig winterliche Bedingungen – Hauptgefahr bildet frischer Triebschnee in Kammnähe sowie Lockerschneelawinen aus felsigem Gelände

Das Eindringen von polarer Kaltluft macht dem Frühjahr kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Im Gebirge herrschen derzeit (25.04.) tief winterliche Bedingungen.

Nicht alltäglich: Winterliche Temperaturen Ende April

Schneefall im Mittelgebirge bei Innsbruck am 24.06.2016

Das Hauptproblem stellt frisch gebildeter Triebschnee dar, der v.a. in größeren Höhen durchwegs spröde und störanfällig ist.

Schneefahnen in den Nördlichen Stubaier Alpen zeugen von kaltem, lockeren Pulverschnee, der leicht zu verfrachten ist. (Foto: 24.06.2016)

Dort, wo während des sehr wechselhaften Aprilwetters (diffuse) und der Jahreszeit entsprechend intensive Strahlung auf die Schneedecke wirkt, können sich frische Triebschneepakete auch von selbst lösen. Dies ist am ehesten in kammnahen, sehr steilen, besonnten Hängen oberhalb etwa 2400m zu erwarten.

Überdies wird der Strahlungseinfluss auch dazu führen, dass vermehrt Lockerschneelawinen aus felsdurchsetztem Gelände abgehen werden.

Entsprechend der Jahreszeit handelt es sich sowohl beim frischen Triebschnee, als auch bei den Lockerschneelawinen um kurzfristige Probleme mit einer möglichen Ausnahme: Lokal kann das Gefahrenmuster kalt auf warm (gm.4) eine Rolle spielen, da sich durch große Temperaturunterschiede zwischen der vormals feuchten Schneeoberfläche und dem nun kalten Neuschnee eine dünne Schwachschicht aus kantigen Kristallen bilden könnte. Grob geschätzt können derzeit am ehesten schattseitige Hänge um 2500m und sonnseitige Hänge oberhalb etwa 3000m davon betroffen sein. Eine diesbezügliche Bestätigung fehlt uns allerdings. Umso dankbarer sind wir deshalb für entsprechende Rückmeldungen. (Dazu reicht es aus, mit der Hand bis zur kürzlichen Altschneeoberfläche zu graben, dort zu schauen, ob man kantige, zuckerartige Kristalle findet und dann versucht, den darüber befindlichen Schneeblock mit der Hand abzuscheren.)

Intensive Setzung, aber auch der um diese Jahreszeit oftmals markante Anstieg der Schneehöhe mit der Seehöhe unterrepräsentiert die tatsächlichen Neuschneemengen während der vergangenen 72 Stunden. Spitzenreiter waren die südlichen Stubaier Alpen mit gemeldeten 50-80cm Neuschnee während der vergangenen 3 Tage.

Donnerstag, 21. April 2016

Hat der Saharastaub Auswirkung auf die Lawinengefahr? Eindrücke zur aktuellen Situation und kurze Vorschau

Vorab zwei gute Nachrichten: Die Saharastaubschicht hat unseren Beobachtungen zufolge keinen negativen Einfluss auf die Lawinengefahr. Die Lawinengefahr ist inzwischen deutlich zurückgegangen.

Während der vergangenen Tage wurden wir öfters gefragt, ob die Saharastaubschicht einen Einfluss auf die kürzlich beobachteten Lawinenabgänge hätte. Im Gelände beobachtete man nämlich immer wieder die nach Lawinenabgängen frei gelegte und dadurch gut sichtbare Saharastaubschicht. Besonders auffallend war dies z.B. auch bei jenem tödlichen Lawinenunfall im Wallis, bei dem die Freeride-Weltmeisterin Estelle Balet am Montag, dem 18.04. ums Leben gekommen ist.

Bild der Unfalllawine im Wallis. Gut zu erkennen ist die Saharastaubschicht, die nach dem Schneebrettabgang übrig geblieben ist. (Foto: 18.04.2016)

Zum besseren Verständnis muss kurz ausgeholt werden.

Für Schneebrettlawinen benötigt man neben einer Mindestneigung von ca. 30 Grad  immer eine in der Schneedecke befindliche Schwachschicht, über der gebundener Schnee lagert. Mögliche Schwachschichten sind entweder kalter, lockerer  Pulverschnee oder aufbauend umgewandelte Kristalle (kantige Kristalle, Schwimmschnee, Oberflächenreif). Eine harte Kruste ist somit keine Schwachschicht und stellt deshalb auch niemals das unmittelbare Problem für Schneebrettlawinen dar! Oft wird nämlich behauptet, Schneebrettlawinen würden dadurch entstehen, dass der Schnee auf Krusten abgleiten würde. In der Realität brechen jedoch die Kristalle innerhalb einer Schwachschicht durch Zusatzbelastung auf die Schneedecke. Solche Brüche pflanzen sich in der Schwachschicht rasant fort, was den Abgang einer Schneebrettlawine zur Folge hat. Befindet sich unterhalb solcher Schwachschichten eine harte Kruste, bleibt diese nach dem Schneebrettabgang übrig. Wenn die Kruste, wie es derzeit häufig der Fall ist, durch Saharastaub eingefärbt ist, erkennt man diese umso besser.

Bei Analyse der aktuellen Situation können prinzipiell beide oben erwähnten Schwachschichten zu den Lawinenabgängen geführt haben:

Eine vormals feuchte mit Saharastaub versehene Altschneeoberfläche wurde mit Eintreffen der ersten Kaltfront am 17.04. von kälterem Schnee überlagert, was zu Gefahrenmuster 4 (kalt auf warm) führen hätte können. Viel Neuschnee, der den Temperaturunterschied an der Grenzfläche zwischen der Saharastaubschicht und dem Neuschnee durch seine isolierende Wirkung verringerte sowie die inzwischen rasch steigenden Temperaturen haben diesen Prozess jedoch nicht gefördert. Deshalb konnten sowohl wir als auch unsere Beobachter wohl auch keine Schwachschicht aus kantigen Kristallen auf der Saharastaubschicht finden.

Was bleibt und leicht nachvollziehbar ist, war der lockere, kalte Pulverschnee, der sich auf der Saharastaubschicht ablagerte und dann von Triebschnee überlagert wurde. Kurzfristig war dieser leicht zu stören. Wie es für das Frühjahr typisch ist, kam es zu einer sehr raschen Besserung der Situation.

Schneeprofil im Kaunertal auf knapp 3000m in einem 35 Grad steilen SO-Hang. Beim oberen Handschuh erkennt man die eingefärbte Saharastaubschicht. Der Neuschnee hat sich inzwischen deutlich gesetzt. Wir konnten keinen Bruch oberhalb der Saharastaubschicht erzeugen. Beim unteren Handschuh erkennt man eine 2cm dicke Eislamelle, die von früherem, massiven Wassereintrag in die Schneedecke zeugt. (Foto: 21.04.2016)

Wir befinden uns auf etwas über 3000m in Kammnähe in einem N-Hang im hinteren Kaunertal. Links neben dem Skistock erkennt man die freigelegte Saharastaubschicht. Der unmittelbar darüber befindliche Schnee war sehr gut mit der Saharastaubschicht verbunden. An der Schneeoberfläche war der Wind etwas im Spiel: Eine durch Wind gebundene, ca. 5cm mächtige Schicht lagert dort auf noch lockerem, filzigen Schnee und könnte bei größerer Ausdehnung und Mächtigkeit  gestört werden. (Foto: 21.04.2016)

Hier weitere Eindrücke zur derzeitigen Situation:

Der Strahlungseinfluss vom 19.04. und das warme Schönwetter vom 20.04. führten zu einer sehr raschen Setzung und Stabilisierung der Schneedecke. Nach einer klaren Nacht war die Schneeoberfläche auf etwa 2600m im besonnten Gelände tragfähig. Nahbereich des Glockturms in den Südlichen Ötztaler Alpen (Foto: 21.04.2016)

Bei rechtzeitiger Abfahrt Firn: Nördliche Stubaier Alpen (Foto: 20.04.2016)

In großen Höhen findet man schattseitig teilweise noch guten Pulverschnee (Foto: 21.04.2016)

Ein interessanter Lawinenabgang wurde uns vom Hoadl in den Nördlichen Stubaier Alpen gemeldet. Ein Schneebrett löste sich offensichtlich auf der bekannten, bodennahen Schwachschicht vom Frühwinter auf knapp über 2300m (Foto: 20.04.2016)

Die für die nächsten Tage vorhergesagte Wetterumstellung wird kalte Temperaturen und Neuschnee bringen. Es wiederholt sich das Spiel: In größeren Höhen muss man auf frischen Triebschnee achten. Auf bereits ausgeaperten steilen Wiesenflächen werden dort, wo es mehr schneit, vermehrt Gleitschneerutsche zu beobachten sein. Nach den Schneefällen werden aufgrund von Strahlungseinfluss und dann wohl wieder steigenden Temperaturen vermehrt spontane Lawinen (u.a. zahlreiche Lockerschneelawinen aus felsdurchsetztem Gelände) abgehen.

Schnee (den man zu Winterbeginn dringender benötigt hätte…) ist vorhergesagt.